Warum dieser "Tatort" anders ist
Max Giermann: Warum seine "Tatort"-Rolle an seine Kinski-Parodie erinnert
Aktualisiert am 12.04.2026, 15:56 Uhr Max Giermann über seine "Tatort"-Rolle: "Das geht dann schon in die Richtung 'star-struck'. Ballauf und Schenk sind Figuren, die man seit seiner Jugend kennt." © picture alliance / dpa/Kirsten Nijhof Lesedauer:5 Min.Der Kölner "Tatort – Showtime" führt die Hauptkommissare Max Ballauf und Freddy Schenk am Sonntag hinter die Kulissen einer seit Generationen beliebten Kindersendung. Dort treffen die Ermittler auf den von Max Giermann verkörperten TV-Star Frank Anders. Der erfreut sich zwar bei seinem jungen Publikum großer Beliebtheit, gibt im Studio aber sehr deutlich den Ton an.
Ein Interview von Dennis EbbeckeIm Interview mit unserer Redaktion spricht der Comedian über seine Episodenhauptrolle, die "Parodie-Schublade" und Comebacks von Kult-Figuren wie Horst Schlämmer.
Herr Giermann, Sie spielen im "Tatort" einen Kinderfernsehstar, der die Kult-Sendung "Sachen und Lachen" moderiert. Klingt beinahe wie eine Parodie, finden Sie nicht?
Max Giermann: Grundsätzlich beschäftigt man sich immer mit der Frage, warum man angefragt worden ist. Speziell an dieser Rolle habe ich Eigenschaften entdeckt, die mich an eine andere Rolle erinnert haben. Der Frank Anders, den ich im "Tatort" spiele, hat cholerische Züge. Da kann man durchaus eine Verbindung zu Klaus Kinski herstellen. Dass eine gewisse Parodie mitschwingt, ist beabsichtigt. Es handelt sich um eine kleine Persiflage auf unsere Fernsehbranche – natürlich zugespitzt, aber doch sehr treffend, wie ich finde.
Dieser Blick hinter die Kulissen einer Fernsehsendung erinnert auch an den Film "Kein Pardon" mit Hape Kerkeling aus den 90ern. Hat man sich daran orientiert?
Ich gehe auch davon aus, dass unsere tollen Autoren Arne Nolting und Jan Martin Scharf Vorlagen wie diese im Hinterkopf hatten. Man erfindet das Rad ja nicht komplett neu. Einige ziemlich deutliche Anspielungen auf tatsächlich existierende Sendungen lassen sich nicht leugnen.
Kritik Sonntagskrimi "Showtime" Parodist Max Giermann im neuen "Tatort" aus Köln: Geht das gut? vor 1 Stunde von Iris AlanyaliWelche zum Beispiel?
Na ja, bei "Sachen und Lachen" liegt es nahe, an die berühmten "Lach- und Sachgeschichten" mit der Maus zu denken. Diese Anspielungen wurden aber immer mit einem gewissen Augenzwinkern versehen. Das macht den Reiz des Films aus.
Und doch hat die Geschichte einen ernsten Hintergrund – die Kommissare Ballauf und Schenk ermitteln in einem toxischen Arbeitsumfeld. Wie real ist das Bild, das dieser Krimi zeichnet?
In der Vehemenz habe ich das selbst nie so wahrgenommen. Heutzutage würde damit vermutlich auch niemand mehr durchkommen. Früher, Anfang der 00er-Jahre, habe ich aber zum Beispiel Theaterregisseure erlebt, die durchaus zu Cholerik neigten. Klare Hierarchien in Medienunternehmen sind auch heute keine Seltenheit. Wer hat was zu sagen? Wem muss ich mich unterordnen? Das sind Fragen, die leider nach wie vor eine Rolle spielen. Hinzu kommt, dass es viele große Egos gibt – und zwar nicht nur hinter der Kamera, sondern auch vor der Kamera.
"Kostet mich viel Überwindung, in den Mittelpunkt zu treten."
Wie groß ist Ihr Ego?
Mir persönlich liegt das ziemlich fern. Und das ist mitunter anstrengend, weil es mich jedes Mal viel Überwindung kostet, in den Mittelpunkt zu treten. Manchmal wäre es leichter, wenn ich dieses Bedürfnis hätte.
Wie haben Sie die Atmosphäre am "Tatort"-Set sowie die Zusammenarbeit mit Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär wahrgenommen?
Im ersten Moment ist man beeindruckt. Das geht dann schon in die Richtung "star-struck". Ballauf und Schenk sind Figuren, die man seit seiner Jugend kennt. Gefühlt waren die beiden schon oft bei mir zu Hause zu Besuch (lacht).
Die beiden sind – im positiven Sinne – zwei alte Hasen, die einen da durchführen können und die genau wissen, wie ihr Format funktioniert. Ich glaube aber, dass dieser Film auch für sie eine kleine Herausforderung war. Der "Tatort" ist wirklich anders, es wurde auch viel improvisiert und herumexperimentiert.
Fans müssen stark sein Der "Tatort" geht in die längste Sommerpause aller Zeiten vor 2 TagenWäre eine Kindersendung wie "Sachen und Lachen" etwas für Sie? Zu Ihren Anfängen haben Sie eine Clownsgruppe geleitet, später waren Sie Juror in der RTL-Sendung "Die Puppenstars" …
Ich habe generell eine große Affinität zu Kindersendungen- und -filmen. Das hat natürlich damit zu tun, dass ich von der Clownerie komme. Auch bei "LOL" mache ich teilweise kindertaugliche Sachen. Daher könnte ich mir gut vorstellen, Teil einer solchen Show zu sein. Dieser Grundgedanke hat mir bei der Identifikation mit meiner "Tatort"-Rolle sicherlich geholfen. Im Gegensatz zu mir ist dieser Frank Anders aber jemand, dem diese Sendung nicht reicht. Im tiefsten Inneren ist er in der Rolle des Kinderstars gefangen und dementsprechend unzufrieden.
Können Sie das nachempfinden?
Auf eine gewisse Art und Weise schon. Bei mir ist es – im Kleinen – die Parodie-Schublade, in der ich stecke. Ich bin deswegen nicht frustriert, aber ich kenne das Gefühl, dass es manchmal gar nicht so leicht ist, Neuland zu erkunden. Dahingehend war der "Tatort" eine Ausnahme für mich.
Hadern Sie manchmal mit Ihrer Kinski-Rolle?
Nein, weil ich es ja selber steuern kann. Es gab eine Zeit, in der ich in jeder Talkshow und jedem Interview den Kinski ausgepackt habe. Das mache ich heute nicht mehr. Auch weil ich das Gefühl habe, dass die Halbwertszeit dieser Figur langsam abläuft. Auf der anderen Seite empfinde ich es als großes Kompliment, wenn ich auf diese Parodie angesprochen werde. Es ist nicht selbstverständlich, dass eine Rolle über so viele Jahre etwas bei Menschen auslöst. Grundsätzlich ist mir aber lieber, mich neu herausfordern zu lassen, anstatt alte Knöpfe zu drücken.
Hape Kerkeling (mit "Horst Schlämmer") und Bully Herbig (mit "Das Kanu des Manitu") haben alte Knöpfe gedrückt. Was halten Sie von diesem Comeback-Trend?
Das hat alles seine Berechtigung, nur meinem persönlichen Mindset entspricht das nicht. Ich bin eher ein Freund davon, dass wir uns etwas Neues ausdenken und nach vorne blicken. Unabhängig von den Beispielen, die Sie genannt haben, kann ich dieses Rückwärtsgewandte aus künstlerisch-kreativer Sicht also nicht so ganz nachvollziehen. Als Konsument wiederum verstehe ich schon, wenn man das nostalgische Gefühl nochmal aufleben lassen möchte. Heute ist die Sehnsucht danach vielleicht größer denn je.
Keine Angst vor "Hobby-Comedians"
In den sozialen Netzwerken tummeln sich viele "Hobby-Comedians". Sehen Sie darin eine Gefahr?
Zunächst einmal bietet Social Media tolle Chancen. Dann müssen sich die TV-Comedians eben ein bisschen mehr anstrengen. Generell beobachte ich aber schon, dass die Wertschätzung des Handwerks leider ein bisschen zurückgeht. Ich arbeite sehr handwerklich. Bei mir ist es keine Zauberei. Man kann ziemlich klar nachvollziehen, wie ich zu meinen Ergebnissen komme.
Leserstimmen "Tatort" ohne Batic/Leitmayr "War höchste Zeit, die Kommissare in den Ruhestand zu schicken" vor 3 Tagen von Jakob Rondthaler und Patricia KämpfWürde "Switch reloaded" heute vorrangig Reality-Stars oder Influencerinnen und Influencer persiflieren?
Vermutlich schon, wobei allein schon der Titel nicht mehr passen würde. "Switch" bezog sich ja auf das Zapping-Verhalten des TV-Publikums. Wer kennt das denn heute noch?
Empfehlungen der Redaktion
- "Tatort"-Abschied: Werden Sie den Ivo und den Franz vermissen?
- Neuer "The Voice"-Moderator: Thore Schölermann feiert Matthias Killing
- Chaos bei "Schlag den Star": ProSieben-Show läuft nicht wie geplant
Auch inhaltlich hätte ich, was "Switch reloaded" angeht, meine Bedenken. Alles, was man heute persiflieren könnte, wäre entweder nichtig oder so aufgeladen, dass man sich dem Thema humoristisch kaum stellen könnte. Auch politische Satire empfinde ich mittlerweile als schwierig. Vieles ist bereits in der Wirklichkeit so grotesk und schrecklich, dass ich das als Komiker gar nicht mehr überhöhen kann oder will. Dennoch – oder gerade deswegen – dürfen wir uns den Humor nicht nehmen lassen.
Der Kölner "Tatort: Showtime" läuft am 12. April um 20:15 Uhr im Ersten.
Über den Gesprächspartner
- Max Giermann ist ein deutscher Komiker, Parodist und Synchronsprecher. Einem breiten Publikum wurde er ab 2007 als Teammitglied der Comedyshow "Switch reloaded" bekannt. Nachdem der Freiburger 2021 die zweite Staffel von "LOL: Last One Laughing" gewinnen konnte, übernahm er die Moderation der Neuauflage von "Frei Schnauze".
